2. Preis geht an Bettina Schwappacher
Von der Teilnehmerin zur Kursleiterin
Nachdem ich im Jahr 2000 ohne Beschäftigung war und es für eine Mutter eines Kindergartenkindes sehr schwer war, eine angemessene Arbeit zu finden, entschloss ich mich, etwas für meine Bildung zu tun. Denn nur Haushalt und Kind füllte mich nicht aus.
Im Herbst 2000 besuchte ich bei der örtlichen VHS einen Abendkurs „Grundkurs Internet" und im Frühjahr 2001 einen „Online-Publishing"-Grundkurs. Doch leider reichte dies nicht aus, um die Arbeitgeber davon zu überzeugen, dass gerade ich die geeignete Kraft für sie sei. Ich konnte die Unternehmer nicht davon überzeugen, über gute EDV-Kenntnisse zu verfügen, da ich keinerlei Zeugnisse vorlegen konnte. Selbst Beigebrachtes zählte scheinbar nicht.
Da mir die beiden Abendkurse sehr viel Spaß gemacht hatten und ich dabei noch viel lernen konnte, entschloss ich mich, einen weiteren Schritt in Richtung Bildung zu unternehmen. Das Arbeitsamt hatte mir schließlich auf Wunsch einen VHS-Kurs „EDV-Sachbearbeiterin Modern Office" bewilligt, welchen ich von Mai 2001 bis Februar 2002 besuchte. Ich dachte vor dem Lehrgang, schon viel über Word und Excel zu wissen. Aber was mir dann im Unterricht noch alles vermittelt wurde, war unglaublich - man lernt eben nie aus. Aufgrund meiner Vorkenntnisse tat ich mir sehr leicht beim Lernen und somit konnte ich meinen Mitschülern, welche sich manchmal etwas schwer taten, etwas unter die Arme greifen. Meine „Kameraden" waren so begeistert über meine Hilfsbereitschaft und leicht verständlichen Erklärungen, dass dies auch bis zur VHS durchgedrungen ist. Als die VHS schließlich einen Dozenten für einen EDV-Kurs suchte, bat man mir den Job als freiberufliche Kursleiterin an. Ich war stolz darauf, so ein Angebot zu bekommen. Zudem konnte ich mir früher nie vorstellen, mich vor Leute hinzustellen und zu reden. Es ist unglaublich, was man alles kann, wenn andere einem so etwas zutrauen und dann der nötige Wille da ist. Dies hat mein Selbstbewusstsein erheblich gesteigert. Somit hatte ich zumindest eine kleine Aufgabe und ich war nicht mehr nur arbeitslos.
Wie es im Leben so spielt, wurde ich im Herbst 2002 vom Arbeitsamt zu einem „Profiling" eingeladen, welches von der VHS geleitet wurde. In der Unterhaltung machte ich dann die Dame der VHS darauf aufmerksam, das mir bei der Arbeitssuche vielleicht noch Kenntnisse in Buchführung fehlen würde, was von vielen Arbeitgebern verlangt wird. Glücklicherweise fing kurz nach dem Gespräch in einem Modul der VHS das Fach „Lohn und Gehalt" und „Finanzbuchhaltung" an und ich konnte mir meine fehlenden Kenntnisse aneignen.
Kurz vor Schluss (März 2003) dieses Lehrgangs bot man mir dann eine Arbeitsstelle an, in welcher Lohn- und Finanzbuchhaltung Voraussetzung war. Ohne meine neu erworbenen Kenntnisse hätte ich diese Arbeit nicht annehmen können bzw. nicht bekommen.
Seit nunmehr 10 Monaten schaffe ich nun in dieser Firma. Hier arbeite ich überwiegend am PC, sodass das Gelernte voll eingesetzt werden kann. Nebenbei gebe ich noch VHS-Abendkurse, um mein Wissen weitergeben zu können und zum anderen nicht zu vergessen. Ich kann mit Worten nicht ausdrücken, wie glücklich ich nun bin. Ich komme mir nicht mehr nutzlos vor, sondern werde gebraucht und kann Erfolgserlebnisse erzielen.
Fazit ist, das auch eine Mutter einen Job finden kann, man darf nur nicht still in seinem Kämmerchen sitzen, sondern etwas für seine Bildung tun. Gut das es die vom Arbeitsamt finanzierten VHS-Kurse für arbeitslose Frauen gibt. Mütter sind erfahrungsgemäß motiviertere Arbeitskräfte - mit dem nötigen Wissen obendrein, einfach vom Arbeitsmarkt nicht wegzudenken.
ENDE GUT-ALLES GUT
Bettina Schwappacher