3. Preis geht an Birgid von Sazenhofen
Hopfen und Malz - Gott erhalt's
„Hopfen und Malz, Gott erhalt's!" - Das Bier ist so alt wie die menschliche Kultur. Wenn man wie ich aus einer Brauerfamilie mit eigener Brauerei in Oberfranken kommt, fällt wohl die Berufswahl nicht ganz so schwer, wie bei anderen 15-Jährigen. So begann ich 1983 meine Lehre zum Brauer und Mälzer und stieg danach als Geselle in den elterlichen Betrieb ein. Als Geschäftsführerin übernahm ich zwei Jahre später die Leitung mit allen Konsequenzen. Aus unternehmerischer Sicht blieb mir nichts anderes übrig, als eine weitere Lehre zur Industriekauffrau zu absolvieren. Schließlich wollte ich nicht nur gutes Bier herstellen, sondern auch die Bilanzen deuten können. Nach dem Besuch der Brau- und Malzmeisterschule war ich 1993 als Braumeisterin auf meinem beruflichen Höhepunkt. Leider blieb die Zeit nicht sehr lange so rosig, denn 1995 musste ich die elterliche Brauerei verkaufen. Damit stand auch ich plötzlich ohne Arbeitsplatz da.
Die Schwierigkeiten für mich als Frau in einer Männerdomäne begannen. Keine Brauerei wollte einen weiblichen Braumeister einstellen. So kam ich zum Außendienst für Brauereibedarf. Dieser Tätigkeit ging ich bis zum Sommer 2002 nach. Es war ein sehr hartes Brot, und die wirtschaftliche Lage in der Branche verschlechterte sich zunehmend. Ich dachte an berufliche Umorientierung obwohl ich meinen Beruf liebte.
Mehr als durch einen Zufall saß ich ab Dezember 2002 im Kurs der VHS Landkreis Hof, der sich „EDV-Sachbearbeiter/in Wirtschaft" nannte. Meine geringen PC-Kenntnisse wurden von Woche zu Woche besser. Ich freute mich über die neuen Erfolgserlebnisse, die auch in den kaufmännischen Fächern nicht ausblieben. Natürlich habe ich mich während des Kurses weiterhin „in meiner Branche" nach Arbeit umgesehen, rund 60 Bewerbungen deutschlandweit verschickt und davon an drei Vorstellungsgesprächen teilgenommen. Zu 90 Prozent scheiterte das Ganze nach Firmenaussagen immer an meinem Geschlecht. Damit war für mich klar: Es hat keinen Sinn! Was nützt mir der schönste Meisterbrief, wenn ich kein Mann bin?
Durch die Hilfe der Mitarbeiter der Volkshochschule vermittelte man mir einen Praktikumsplatz in einer Arztpraxis in meinem Heimatort. Bereits nach einigen Tagen stellte ich fest, dass diese Art der Tätigkeit mir auch liegen würde. Noch vor einem halben Jahr hätte ich mir nicht vorstellen können, den ganzen Tag am PC bzw. an einem Schreibtisch zu sitzen. Jedoch auf Grund der sehr guten Ausbildung durch die VHS war der Arzt nicht abgeneigt, eine Braumeisterin in seiner Praxis zu beschäftigen. So gehöre ich nun seit Januar 2004 zum festen Team des Gynäkologen.
Abschließend ein großes Lob an die Dozentinnen und Dozenten der VHS Landkreis Hof. und machen Sie weiter so!!!
Birgid von Sazenhofen